|
.
Was macht man, wenn man in einem Waschsalon in Buenos Aires darauf wartet, dass die Wäsche fertig ist und zufälligerweise ein Buch entdeckt, das einen packt? Ich war vor einigen Jahren in Südamerika von der dortigen Literatur begeistert. Ein Freund, an dessen Schule in Buenos Aires ich mein Spanisch auffrischte, heiratete eine Schweizerin und ist vor zwei Jahren mit ihr in der Schweiz gezogen. Wir beschlossen, zusammen etwas zu unternehmen, ohne noch genau zu wissen was. Nur, mit Kultur sollte es zu tun haben. Da sagte er mir eines Tages, er habe Freunde in seiner Heimat, die schreiben, und fragte mich, ob ich Lust hätte, ihre Werke auf Deutsch herauszugeben. Es stellte sich heraus, dass diese Freunde Lyriker waren und es schien uns trotz allen Mutes zu verwegen, das Verlagsabenteuer mit der Veröffentlichung von Lyrik anzufangen. Die Idee eines Verlages aber fesselte uns. Wir begannen nach südamerikanischen Autoren zu forschen und stießen auf eine Menge schöner, packender und aufrüttelnder Geschichten. Bekannte Romane von arrivierten Autoren, die zwar in englischer, italienischer oder französischer Sprache erhältlich sind, nur nicht auf Deutsch. »Wer heute einen Kleinverlag gründet, ist verrückt.« Das mag stimmen. Der Buchhandel serbelt und hat bestimmt nicht auf einen Spinner gewartet, der ausgerechnet unbekannte südamerikanische Literatur übersetzt und herausgibt. Aber manchmal muss man eben Verrücktes tun, um den Buchmarkt wieder etwas aufzumischen. Wie auch immer, wir verschafften uns schließlich die Rechte von zwei sehr verschiedenen, aber gleichermaßen faszinierenden Büchern. Das eine, Los ojos así, ein komplexer Stadtroman, der großenteils in der Zeit der Militärdiktatur in Buenos Aires handelt und mit argentinischen Klischees spielt. Das andere, El último cuerpo de Úrsula ein Roman, in dem eine junge Peruanerin ein ziemlich gespaltenes Verhältnis zu ihrem Körper hat. Beide Bücher, Das Orchester der Amputierten und Der letzte Körper von Ursula, liegen jetzt auf Deutsch vor und sind das Resultat einer spannenden Zusammenarbeit zwischen Kontinenten, Ländern und vielen engagierten Mitarbeitern. Der Verlag existiert und wir sind stolz.
|